Zähneputzen bei Kleinkindern: die wichtigsten Tipps und Tricks!

Wie wichtig das Zähneputzen bei Kleinkindern ist, ist vielen Eltern möglicherweise gar nicht bewusst. Frühkindlicher Karies oder „Nuckelflaschenkaries“, wie man ihn auch nennt, gilt als häufigste Erkrankung bei Vorschulkindern – das Übel nimmt allerdings schon in den ersten 3 Lebensjahren seinen Lauf. Von offizieller Seite fiel nun der Warnschuss: Für gesetzlich krankenversicherte Kleinkinder bis zum vollendeten 33. Lebensmonat soll es ab Juli 2019 drei zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen zur Vorbeugung geben. Doch auch Eltern stehen in der Pflicht mehr auf die Zahnhygiene ihrer Kinder zu achten – die Annahme, dass Milchzahnpflege weniger wichtig wäre, weil die Zähne ja sowieso ausfallen, ist genauso falsch wie gefährlich. Das Gegenteil ist der Fall. Der Zahnschmelz von Kinderzähnen ist hochempfindlich und schnell beschädigt. Unsere Tipps und Tricks verraten Ihnen deshalb alles, was Sie als Eltern zum Thema „Zahnpflege“ wissen müssen!

Ab wann beginnt die Zahnpflege bei Kleinkindern?

Grundsätzlich sollten Eltern mit Erscheinen des ersten Milchzahns auch die Zahnbürste schwingen, denn schon durch die Muttermilch kommt Ihr Baby mit Zucker in Kontakt. Es empfiehlt sich, die ersten 24 Monate 1x, danach auf jeden Fall 2x täglich zu putzen. Dass ein zahnloses Baby noch keine Zahnpflege braucht, scheint logisch. Dennoch lohnt es sich, auch schon vor dem ersten Zahn spielerisch mit der Mundhygiene zu beginnen. So können Sie die Kauleisten Ihres Babys zum Beispiel mit einem feuchten Waschlappen abwischen und massieren – gerade zahnende Kinder mögen den sanften Druck. Eine Zahnbürste kann im Babyalter zum spannenden Lutsch- und Kauobjekt werden. Wenn die Bürste dann tatsächlich zum Einsatz kommt, ist sie schon bekannt. Bis Kinder flüssig schreiben können, heißt es für Eltern: Nachputzen, nachputzen und noch mal nachputzen! Erst dann besitzen Kinder die feinmotorischen Fähigkeiten, um gründlich Zähne zu putzen.

Praxis-Tipp 1: Welche Zahnbürste ist die richtige für mein Kind?

Je nachdem, ob die ersten Zähne bei Ihrem Baby schon durchgebrochen sind oder nicht, bedarf es auch unterschiedlicher Putzutensilien:

  • feuchte Baumwollwaschlappen eignen sich zur Massage und Säuberung der Kauleisten
  • Beißringe erleichtern Babys die Zeit des Zahnens – Ringe mit Kühlfunktion können schmerzendes Zahnfleisch beruhigen
  • Zahnputzfingerhüte mit weichen Borsten eignen sich für den ersten Zahndurchbruch und erleichtern Eltern ein gefühlvolleres Zähneputzen bei Kleinkindern
  • Babyzahnbürsten mit besonders kleinem Kopf und weichen kurzen Borsten entfernen durch sanftes Putzen Zahnbelag effektiv

Da der Zahnschmelz bei Milchzähnen besonders empfindlich ist, empfiehlt sich für die ersten 3 Lebensjahre die weiche Handzahnbürste. Es gibt aber auch spezielle elektrische Zahnbürsten mit kleinem Kopf, die Eltern zur Zahnpflege ihrer Kinder nutzen können. Im Gebrauch etwas teurer, bietet die elektrische Version beim Putzen mehr Spannung für das Kind – aufgrund des Geräusches und der Vibration. Aber Achtung: Für selbstständiges Putzen der Kleinkinder ist sie nicht geeignet.

Praxis-Tipp 2: Was Eltern bei Zahnpasta für die Kleinsten beachten müssen

Grundsätzlich können Eltern guten Gewissens zu sogenannten „Kinderzahncremes“ greifen, die speziell für Milchzähne entwickelt wurden. Auf Inhaltsstoffe und Geschmacksrichtung sollten Eltern jedoch ein Auge haben: Eine fruchtige oder „süße“ Zahnpasta verleitet Kinder zum Hinunterschlucken, wodurch es bei stark Flourid-haltigen Cremes zu einer Überdosierung kommen kann. Besser ist ein neutraler oder minziger Geschmack. Zur Kariesprophylaxe ist Flourid äußerst wichtig, da es den Zahnschmelz widerstandsfähiger macht. Ob in der Zahnpasta oder als Tabletten – über die effektivere Form der Einnahme streiten sich Kinder- und Zahnärzte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät in ihrer Stellungsnahme zur Flourid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern, sich auf eine Einnahmeform zu beschränken. Zum richtigen Flourid-Gehalt in Zahncremes gibt das Institut an, dass es bisher keine eindeutigen Belege gibt, ob Zahnpastas mit 0,1 % Flourid-Anteil wirksamer sind, als solche mit 0,05 %. Bei Unsicherheit wenden Sie sich am besten an den Zahnarzt Ihres Vertrauens.

Praxis-Tipp 3: Die richtige Zahnputz-Technik

So ein Zahn hat vier Seiten, die alle gepflegt werden wollen. Gar nicht so einfach, an jede Ecke ran zu kommen. Für das Zähneputzen bei Kleinkindern empfehlen Zahnärzte die sogenannte „KAI-Technik“. „KAI“ steht dabei für „Kaufläche“, Außenseite“ und „Innenseite“. Und nach dieser Reihenfolge werden Kinderzähne auch geputzt: Zuerst säubern Sie die Kaufflächen mit sanftem Druck. Danach sind die äußeren Zahnseiten dran, putzen Sie diese mit kleinen, kreisförmigen Bewegungen. Zum Schluss werden die Zahninnenseiten von unten nach oben „ausgekehrt“. Generell gilt das Putzprinzip „immer von Rot nach Weiß“ – also vom Zahnfleisch aus zum Zahn selbst hin putzen. Durch horizontale Putzbewegungen besteht die Gefahr das Zahnfleisch und den Zahnschmelz zu verletzen. Für enge Zahnzwischenräume, darf ruhig auch zur Zahnseide gegriffen werden. Für den Anfang reicht zum Putzen eine reiskorngroße Portion Zahnpasta, ab 24 Monaten darf sie dann schon erbsengroß sein.

Praxis-Tipp 4: Das Thema „Zahnpflege“ kindgerecht verpacken

Wenn es ans Zähneputzen geht, beginnt in vielen Familien ein filmreifes Drama: Kinder schreien, sind bockig, wollen den Mund nicht aufmachen – die Holzhammer-Methode „festhalten, quengeln lassen und ganz fix putzen“ ist dabei keine gute Idee. Denn richtig schlimm wird es, wenn Kinder Zahnhygiene mit etwas Negativem verknüpfen. Sie müssen verstehen, warum sie eigentlich putzen sollen. Das können Sie zum Beispiel mit einem Plaque-Test erreichen: Das Zahnfärbemittel färbt die Zahnbeläge ein und lässt Kinder tatsächlich sehen, was weggeputzt werden muss. Schädliche Bakterien lassen sich auch durch Namen verbildlichen. Nehmen Sie dafür doch ein Bilderbuch zum Thema „Zähneputzen“ zur Hilfe. Zahnpflege können Sie auch zusammen mit Ihrem Kind an einer Puppe üben. Putzen Sie am besten immer zur gleichen Zeit, denn feste Strukturen schaffen Sicherheit. Die folgenden Tricks sind Möglichkeiten das Zähneputzen bei Kleinkindern zu einem Ritual zu machen, welches sogar Vorfreude weckt.

5 Tricks, die Kinder zum Zähneputzen motivieren:

  • Die Zahnputzuhr: Ob Handy-App oder die klassische Sanduhr – das Ablaufen der Zeit ist spannend und motiviert Ihr Kind, die Putzdauer auch durchzuhalten.
  • Optischer Reiz: Eine Zahnputz-Ausstattung in buntem Design kann zu einem begehrenswerten Objekt für Kinder werden und das Putzritual erleichtern.
  • Die Ablenkungstaktik: Singen Sie während des Zähneputzens ein Lied oder erzählen Sie eine spannende Geschichte – im besten Fall freut sich Ihr Kind auf das Putzritual.
  • Gemeinsames Putzen: Nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ hilft es Ihrem Kind mitunter, wenn gleichzeitig ein Geschwister oder der andere Elternteil mit Zähne putzt. Das Kind könnte auch die Zähne von Mama und Papa „nachputzen“, um den Spieß mal umzudrehen.
  • Mit gutem Vorbild voran: Sind wir ehrlich, auch Erwachsene drücken sich manchmal um die Mundhygiene. Um dem Kind die Wichtigkeit von Zahnpflege glaubhaft zu vermitteln, sollten aber auch wir mindestens 2x täglich putzen.

Der wichtigste Tipp für das Zähneputzen bei Kleinkindern: Bleiben Sie gelassen!

Egal, wie sehr Sie sich abmühen – schwierige Situationen kann und wird es trotz aller guten Vorsätze geben. Hier kann man nur eins raten – und das sollten Sie sich unbedingt zu Herzen nehmen: Bleiben Sie gelassen! Machen Sie sich selbst und vor allem ihrem Kind keinen unnötigen Druck. Es ist zum einen nutzlos, denn mit einem Kleinkind lässt sich nicht verhandeln. Zum anderen besteht die Gefahr, dass das Kind nach der Zwangsaktion das nächste Mal erst recht nicht will. Versuchen Sie lieber, den Grund für die schlechte Stimmung des Kinds herauszufinden. Übrigens: Selbst mit Kleinkindern dürfen und sollen Sie frühzeitig zum Zahnarzt gehen – der erste Zahnarztbesuch darf ruhig schon im Alter von 8 bis 9 Monaten erfolgen. Auch bei Säuglingen kann der Zahnarzt bereits kontrollieren und Sie dazu mit vielen weiteren wertvollen Tipps zum Thema „Zähneputzen bei Kleinkindern“ versorgen.